Nachruf auf Engelbert Brendel

Nachruf auf Engelbert Brendel

Wann

30. November 2025    
23:59

Veranstaltungstyp

Die katholische Pfarrgemeinde St. Antonius in Wuppertal-Barmen trauert um ihren ehemaligen, von1967 bis 1999, tätigen Kantor Engelbert Brendel. Er verstarb am 13.11.2025 im Alter von 89 Jahren nach langer, schwerer Krankheit.

Der in Hambach/Jülich geborene Kirchenmusiker verstand Musik stets als Lob Gottes. In den 32 Jahren seines Wirkens -anfangs noch in der sogenannten Notkirche- dem heutigen Bernhard-Letterhaus-Saal, ab September 1973 dann in der neu errichteten St. Antonius-Kirche am Alten Markt. Gleichzeitig spielte er die ebenfalls neu gebaute Klais-Orgel ein, die er zusammen mit Architekt, Bistums- und Gemeindegremien und Musikerkollegen wie Dr. Fritz Wawersik (1911-2002) maßgeblich mit konzipiert und an den modernen Kirchenneubau perfekt angepasst hatte.

Engelbert Brendel baute in der Zeit des Kirchenprovisoriums bereits den gemischten Chor, die Knaben- und Mädchenschola sowie die für Gregorianik zuständige Herrenschola auf, so dass ihm 1973 ca. 120 Sängerinnen und Sänger zur Verfügung standen. Eine Zahl, die in den Folgejahren noch anwachsen sollte. Ebenso trat eine umfangreiche Flötengruppe, die aus dem Unterricht des Kantors erwuchs, häufig bei Hochfesten und anderen Feierlichkeiten in Erscheinung.

Dank eines gut durchdachten und konsequent angewandten Systems der Schulung von Kindern ab dem 3. Schuljahr gelang es Engelbert Brendel in sehr vielen Fällen, den Antoniuschor mit jungen Musikern zu ergänzen, damit ein erstaunlich niedriges Durchschnittsalter zu erreichen und dank stetiger Förderung auf jeder Stufe ein hohes musikalisches Niveau zu sichern.

Flankiert wurde seine überaus rege musikalische Arbeit von Freizeiten und Chorfahrten. Auch auf internationaler Ebene war Engelbert Brendel z. B. im Rahmen des Chorverbandes Pueri Cantores in leitender Funktion aktiv und begleitete die Kinder und Jugendlichen mehrfach zu Festivals nach Rom (erstmals 1980/81) und Paris (1985) sowie innerhalb Deutschlands. Eines dieser großen Treffen für Kinderchöre fand 1977 in St. Antonius statt. Engelbert Brendel meisterte all dies durch die starke Unterstützung seiner Ehefrau, die seine Arbeit jederzeit aus dem Hintergrund unterstützte.

Neben der Aufführung großer Messvertonungen mit den wunderbaren Möglichkeiten der neuen Klais-Orgel oder mit Orchester sowie bedeutender Oratorien widmete sich Engelbert Brendel auch leidenschaftlich der Gregorianik, die eine zuverlässige Herrenschola zum Klingen brachte. Diese machte er auch mittels vierstimmiger Psalmvertonungen alter Meister über die Schola hinaus dem Chor zugänglich. Dazu erstellte er -der analogen Zeit gemäß- unzählige Notenblätter von Hand und mittels Schreibmaschine.

Er realisierte große und gemeindeübergreifende Chor- und Orchesterprojekte und konnte sie unter großer Anerkennung durchführen. Über die unmittelbare Musik an St. Antonius hinaus war er auch maßgeblich in der C-Ausbildung der Kirchenmusiker im Erzbistum Köln aktiv und betreute zahlreiche Orgel- und Klavierschüler.

Sein Blick ging stets über den „eigenen“ Kirchturm hinaus. So pflegte er schon zu Beginn seiner Zeit in Wuppertal nachhaltige ökumenische Kontakte zu den evangelischen Mitchristen und später auch zur griechisch-orthodoxen Gemeinde. Auch war ihm die regelmäßige Zusammenarbeit mit den Kirchenmusikern und Chören der Stadt ein großes Anliegen. Mit seiner späteren Ernennung zum Regionalkantor für die Städte Wuppertal und Remscheid konnte er die schon gewonnenen Erfahrungen einbringen und umsetzen. Engelbert Brendel wirkte in der Liturgiekommision mit, war Mitglied des Pfarrgemeinderats und wurde vom Bistum in die Kommission für das neue Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ berufen (1975). Sein Rat war gefragt und geschätzt. Nicht zuletzt auch bei seinen Musikerkollegen bei Problemstellungen des tariflichen Arbeitsrechts. Hier konnte er oft vermittelnd unterstützen.

Natürlich haben seine Vorstellungen von Liturgie und deren konsequente Umsetzung auch zu Widerständen geführt. Dabei konnte er auf die Unterstützung seiner Choristen und des Chorvorstandes, insbesondere durch den langjährigen Chorvorsitzenden Diethard Kirscht, zählen.

Durch sein bescheidenes Auftreten stellte Engelbert Brendel nie sich selbst, dafür jedoch umso mehr die im Dienst der Gemeinde stehende und zum Lobe Gottes erklingende Musik insbesondere der Chorgruppen in den Vordergrund seiner Arbeit. „Musizieren zur größeren Ehre Gottes und zur Freude der Menschen“ lässt sich als ein Leitsatz seines Lebens formulieren. Bis 2022 übernahm er Orgeldienste in St. Antonius und leitete einen Chor in der Pfarreiengemeinschaft der Wuppertaler Südhöhen, nahe seinem letzten Wohnort in Wuppertal-Ronsdorf.

All das -die Musik und das Gemeindeleben- gestaltete er mit großer Verantwortung, mit Können, Fleiß und Freude. Er brachte sich ein, wo er für eine Situation oder einen Menschen Besserung durch Gespräch und persönliche Besuche erhoffte. Er hat sich um die Kirchenmusik über St. Antonius hinaus in hohem Maße verdient gemacht.

Zur eigenen Motivation seiner Arbeit hat er sich selten geäußert. Wir können aber sicher sein, dass sein fester Glaube an die Auferstehung das Fundament all seines Handelns gewesen ist. So konnte es ihm gelingen, Menschen jeden Alters mit dem Glauben und der Kirche in Kontakt zu bringen bzw. diesen Kontakt zu halten. Er selbst konnte seine Arbeit rückblickend in einem einzigen Satz zusammenfassen: „Ich hoffe, dass meine Arbeit bei vielen Menschen als Glaubenszeugnis eingeht.“

Die Kirchengemeinde St. Antonius und die Antoniusmusik sind Engelbert Brendel zu großem Dank verpflichtet. Die Antoniusmusik wäre ohne sein verdienstvolles Wirken in der heutigen Form nicht vorstellbar. Sein Tod ist für uns ein großer Verlust. Unsere besondere Anteilnahme gilt seiner Familie. Wir gedenken seiner am Montag, dem 24.11.2025 um 09:30 Uhr im feierlichen Seelenamt in St. Antonius. Möge er jetzt in Gottes Frieden ruhen.

Kantor Stefan Starnberger

 

 

 

Foto: Matthias Kellner-Franz


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